Age of Empires II: The Conquerors

Spielmusik-Review 16.10.2023 · Mattis

Eroberungsfeldzug

Nur ein Jahr später erschien mit The Conquerors das erste Addon zum Hauptspiel The Age of Kings und brachte neben ein paar Quality-of-Live-Verbesserungen vier neuen Kampagnen und Spielmodi auch fünf neue Zivilisationen. Die waren, wie Name und Cover bereits verraten, zum Teil in Mesoamerika verortet (Azteken und Maya) und hatten ihre eigene Kampagne, während die anderen drei (Spanier, Hunnen und Koreaner) aus der anderen Himmelsrichtung kamen … oder der gleichen, je nachdem, wie weit man geht.

Der Score

Mehr vom Alten verspricht indes der Soundtrack – dieses Mal ohne David Rippy – der dort weitermacht, wo das Hauptspiel aufhörte: Nämlich mit dem Main Theme. Bei The Conquerors handelt es sich jedoch um eine Variation, wie man alleine am Titel, Quest for Jam statt Quest for Butter, sieht. Hier wird das heroische Hauptmotiv nach seinem triumphalen Aufspielen abgelöst und durch ein Flötenintermezzo unterbrochen, das an weite Steppe und nativ-amerikanische Kulisse erinnert. Perfekter Umschwung also von der eurozentristischen Klangkulisse des Hauptspiels zum frühkolonialen Amerika.

Um diesen Effekt zu verstärken, findet die Gitarre vermerkt Anwendung. Denn wie wir alle wissen, steht die Klampfe für Spanien, Spanien für Kolonien samt Konquistadoren ... Zack! Montezuma … oder so. Durch diese Addition entstehen erneut annähernd meditative Tracks, die uns mit einer Mischung aus Mediterran und Mittelalter zur Entspannung gemahnen. Das beginnt beim fast engelsgleichen Einstieg der Vocals in Pork Parts, den seichten Gitarrenriffs in The Monkey Book oder den langgezogenen Flötentönen in Voodoodoodoo und gipfelt schließlich in Seamus & Chamois, das irgendwo zwischen Beruhigung und Aufbruch pendelt.

Stücke wie Tide Me Over, Warm 'em Ups und Shookies in the Bank ähneln durch ihre Art dagegen Spielen Marke Der erste Kaiser: Aufstieg des Reichs der Mitte oder SimCity, auch wenn der letztgenannte Track durch seinen Bruch eher in Richtung Age of Empires 1 geht. Orientalisch wird es dann bei The Bovinian Derivative, während Case in Point: Paste und Basura! Basura! ins Asiatische driften.

Neu ist, dass mit Neep Ninny-Bod [Mix 2] ein klassischer Fighting-Song den Ring betritt. Hier verbinden sich Dudelsack, Percussions und Flöten zu einer Kakophonie, die durch ihr Tempo Unruhe, fast schon Hektik ins gemächliche Treiben bringen – vielleicht geht’s aber auch nur mir so. Lowlight ist derweil das Credit-Theme Droppin‘ tha Trou, das mit seinem Jazz/Funk-Style vollkommen aus der Reihe swingt. No Me Gusta.

Fazit

The Conquerors liefert die perfekte akustische Horizonterweiterung und fängt den atmosphärischen Umschwung von der Ritterburg zu den Maya-Tempeln mit stimmungsvollen Gitarren und Flöten meisterhaft ein. Wer über den jazzigen Ausrutscher in den Credits hinwegsieht, bekommt einen gewohnt meditativen Score, der das Age-Feeling ideal um neue kulturelle Nuancen ergänzt.