Endless Legend

Spielmusik-Review 04.12.2023 · Mattis

Endlose Entspannung

Meinem Steam-Konto zufolge habe ich Endless Legend gerade einmal 4,6 Stunden gespielt – ein 4X-Rundenstrategiespiel mit massig Content, der aller Wahrscheinlichkeit nach für einen deutlich längeren Zeitraum unterhalten kann. Wäre Vergangenheitsmattis verstorben und würde er (das daraus resultierende Paradoxon ignorierend) diese Worte lesen, er würde im Erdreich rotieren. Ein Spiel, ein bezahltes Vollpreisspiel einfach links liegen lassen? Blasphemie!

Welche Ausrede habe ich? Keine eigentlich. Es verhält sich hier vermutlich wie mit Age of Wonders III: Es hat mich einfach nicht gepackt – und das, obwohl ich es sogar mit einem Kumpel im Multiplayer gezockt habe. Schade eigentlich, denn der dazugehörige Soundtrack, um den es im nun folgenden Teil geht, verspricht Qualität.

Der Score

FlybyNo, mit bürgerlichem Namen Arnaud Roy, ist als Haus- und Hofmusiker der Amplitude Studios bestens mit dem Thema Endlosigkeit vertraut, komponierte er doch die Soundtracks für alle Spiele des Entwicklers: Endless Space (2012), Dungeon of the Endless (2014), Endless Space 2 (2017), Endless Dungeon (2023) und eben Endless Legend (2014). Und Humankind (2021) nicht zu vergessen.

Als ausgebildeter Harfenspieler liegt das Metier des Franzosen im Orchestralen, der OST ist dementsprechend klassisch gestaltet. Die mal mehr, mal weniger grandiosen Stücke rangieren in bester CIV-Tradition zwischen beruhigend belanglos und motivierend. Der Fokus auf Streichinstrumente und Percussion gibt Stücken wie Geology und In Undertones (Broken Lords Prologue) eine aristokratische Note, während sie in Terra Amata dagegen für mediterranes Flair sorgen. Skylark klingt mit seinem Chor und den Percussions indes ein wenig nach Game of Thrones – nicht das schlechteste Vorbild!

Insgesamt wird schnell deutlich, dass der Score eher die Verwandtschaft zum ‚realen‘ Mittelalter wie bei Crusader Kings 3 sucht, statt der High-Fantasy-Vorstellungen eines Age of Wonders. Fantastische Elemente, wie sie auch beispielsweise in Heroes of Might and Magic oder Total War: Warhammer immer wieder auftauchen, fehlen in Endless Legend. Die einzelnen Stücke des Albums gewinnen hierbei keinen Kreativitätspreis. Die Masse bietet jedoch eine abwechslungsreiche Unterhaltungskulisse, die als angenehme Beschallung fürs entspannte Kampagnenkartenaufdecken absolut maßgeschneidert wirkt.

Und auch abseits dessen kann der Endless Legend-OST über weite Strecken eine fast schon beruhigende Wirkung entfalten. Mit ihren Flöten und Vocals erwecken Stücke wie Wisdom of Dark Ages (Drakken) beinah klischeehafte tibetanische Mönchsmeditationen, während mich das Glockenspiel in From Dawn to Dusk an die Serie Avatar – Der Herr der Elemente erinnert. Wer dagegen knallharte Kampfmusik sucht, sollte sich The BattleField II zur Einordnung anhören – krasser wird’s nicht.

Fazit

Arnaud Roy serviert hier eine handwerklich blitzsaubere Wohlfühl-Kulisse, die als tiefenentspannte Begleitmusik deutlich länger überzeugt als meine persönliche Motivation für das eigentliche Spiel.