Rise and Fall: Civilizations at War

Spielmusik-Review 02.10.2023 · Mattis

Ein Fall für Spezialisten

Mir war Rise & Fall: Civilizations at War kein Begriff. Stellt sich heraus, musste es auch gar nicht sein. Mit einer durchschnittlichen Wertung im gehobenen Mittelfeld, war es trotz seines innovativen Konzepts aus „Echtzeitstrategie meets Third-Person-Shooter“ kein Genrerevoluzzer. Wo ein SpellForce mit seinem Rollenspielfundament funktionierte, war Rise & Fall wohl weder genug Fisch noch Fleisch. Schade eigentlich … Vielleicht möchte man 17 Jahre später ja mal einen neuen Versuch wagen?

Der Score

Beim Soundtrack konnte derweil mit Komponist Jason Graves jemand engagiert werden, der quasi prädestiniert für dieses Projekt war. Denn wo wir ihn später eher im Umfeld diverser Actionallerleis – unter anderem Third Person – verorten würden, klingen die zehn Tracks dieses OSTs nach unterhaltsamer Strategiekost.

Die kann man guten Gewissens irgendwo im Umfeld von Company of Heroes, God of War und Age of Wonders einordnen, was bereits Einblicke in den thematischen Hintergrund erlaubt. Der Score ist durch und durch militaristisch geprägt, fast in jedem Stück hören wir marschartig die Trommler. Gepaart mit den dominanten Bläsern und hohen Streichern ergibt sich so eine spannende Mischung zwischen Kriegskult und Fantasyfeeling.

https://raf.heavengames.com/wp-content/uploads/sites/17/2021/12/nshots_RnF_03.jpg

Genreuntypisch sind dagegen die Breaks, die ebenfalls in fast jedem Track auftauchen und ihnen so unerwartete Wendungen verleihen. Beispielsweise wird das liebliche Cleopatra Is Summoned durch den plötzlichen Einsatz der Percussions mit einem Mal ein ganz anderes Stück, aus vornehmer Zurückhaltung wird dramatische Heldenorgie Marke Die Chroniken von Narnia. Kurz vor Schluss indes beenden erneut wie unvermittelt orientalische Trommeln den Ansturm. Fast wirkt es, als wären hier verschiedene Stücke zusammengemischt worden, aber dafür fühlt sich der Übergang dann wieder zu gewollt an. Vermutlich der Übergang von Strategie zu Shooter.

Ehrlicherweise hätte ich mir eine Segmentierung in einzelne Tracks sehr gewünscht, was bei ihrer überschaubaren Anzahl insgesamt ein durchaus bescheidener Wunsch gewesen wäre. So sind mir die Tracks dann etwas zu wankelmütig, oder es fehlen mir die geistigen Anknüpfungspunkte zum Gehörten. Der Ritt der Rohirrim ist auch nochmal eindrucksvoller, wenn man zu Howard Shores fantastischem Stück die Bilder im Kopf hat, wie die Rohans Reiter durch die Belagerungsstreitmacht Mordors galoppieren, und man weiß, welche Note gerade welchen Moment begleitet.

Fazit

Rise & Fall erreicht für mich leider keine notentechnische Höchstklasse, bleibt jedoch eine deutliche Empfehlung. In das Album  kann man guten Gewissens mal reinhören, eben weil’s nicht das klassische Strategieensemble ist.