Street Fighter II

Spielmusik-Review 10.09.2022 · Mattis

Guile Musik

1992 war ein gutes Jahr für Fans von Arcade-Prügelspielen und Webseiten über Videospielsoundtracks – immerhin erblickte damals nicht nur Street Fighter II das Licht der Welt, sondern auch ich. Toll, oder? Folglich kann ich bescheiden viel über das Spiel sagen, will meinen: gar nichts. Nie gespielt, nicht mal auf einer Retrokonsole oder Ähnlichem, und folglich nie die Faszination, geschweige denn den Hype der Street Fighter-Reihe miterlebt.

Der Score

Nun muss man kein Fan oder Kenner sein, um die Qualität eines Soundtracks bewerten zu können. Das ist das Credo, unter dem diese Seite läuft, und ohne das ich mein seitenweises Gelaber direkt lassen könnte. Das Problem, gerade bei alten Scores, ist vielmehr, dass es damals noch keine richtigen Original-Soundtracks gab und durch die Vielzahl an Ablegern und Versionen mittlerweile auch unzählige Iterationen von Gamerips durch den Äther schweben – ein wiederkehrendes Problem meines Hobbys.

Der mir vorliegende Soundtrack besteht aus 13 Tracks, von denen nur zehn wirklich Musik enthalten. Die letzten bestehen nur aus den Soundfiles der Voicelines, die mich jetzt nicht ganz abholen. Leute, die es mögen, wenn ein japanischer Sprecher in schlechter Soundqualität einem die Zahlen von eins bis fünf sowie Ländernamen wie BrazilJapan oder UDSSR ins Ohr brüllt, werden dagegen voll auf ihre Kosten kommen.

Das tun Musikliebhaber gleichermaßen, da die ikonischen Tracks von Yōko Shimomura, wohl der einflussreichsten asiatischen Games-Komponistin, den meisten Zockern geläufig sein dürften, selbst wenn sie wie ich keine Berührungspunkte mit der Klopperbude hatten. Lieder wie Ryu’s Theme oder besonders Guile’s Theme hat man bestimmt schon mal irgendwo gehört, und selbst ohne die Pixelprügelei entfalten die Songs eine angenehm nostalgische Atmosphäre.

Alle versprühen ihren eigenen Charme und betten ihre zugeschriebenen Charaktere in den jeweiligen kulturellen Raum ein. So klingt Chun Li’s Theme erwartungsgemäß asiatisch, während Dhalsim's Theme India-Flair aufkommen lässt. Dass die musikalischen Themen bis zum erwartbaren Loop wohltuend variiert werden und nicht starr die gleiche Melodie rauf und runter dudeln, wertet das Ganze zusätzlich auf.

Überraschend war für mich darüber hinaus, dass die End Game Theme’s 1 und End Game Theme’s 2 mit dem Actiontempo brechen und teilweise nach klassischen JRPGs klingen. Auch eine MIDI-Version des Hochzeitsmarsches hat sich noch in den Score geschmuggelt – was braucht es mehr zum Glücklichsein?

Fazit

Ein charmant-ikonischer, vielseitig variierter Arcade-Score, der trotz technischer Altlasten und kleiner Ausfälle mit überraschender Tiefe und nostalgischem Flair überzeugt. Also alles in allem nicht nur etwas für Nostalgiker, sondern auch für Kultur-Connaisseure.