Super Meat Boy

Spielmusik-Review 18.10.2024 · Mattis

Rockiger Fleischhops

Ein Junge, der wahlweise seine entführte Freundin oder eine Prinzessin aus den Fängen eines bösen Widersachers befreien muss … Einen klassischeren Anfang zu einer (Videospiel-)Heldengeschichte gibt es wohl kaum. Viele Nintendo-Spiele folgen diesem Schema bis heute – mit Erfolg! Angelehnt daran entstand 2008 in einer dreiwöchigen Programmieraktion ein Flash-Game namens Meat Boy, das, wie viele Indie-Spiele, auf der Webseite Newgrounds veröffentlicht wurde. Darin hüpft ein kastenförmiger Fleischklumpen durch immer schwerer werdende Level, um seine Freundin Bandage Girl aus den Fängen von Dr. Fetus zu befreien. Klingt bescheuert und war es auch, aber eben genauso unterhaltsam.

Zwei Jahre später brachte das Entwicklerduo Team Meat, bestehend aus Edmund McMillen und Tommy Refenes, das offizielle Game Super Meat Boy heraus. Das spielte sich im Vergleich zur Onlinevariante deutlich flüssiger, war dadurch allerdings auch deutlich schwerer. Ich selbst hatte ein paar unterhaltsame Stunden mit dem glitschigen Meat Boy, auf Dauer konnte mich das frustige Trial-and-Error-Konzept jedoch nicht fesseln. Bei Celeste habe ich den Kaizo-Ansatz – so der offizielle Name für absichtlich schwere Plattformer/Jump-’n’-Runs – dank der Story noch verschmerzt. Cool war dagegen, dass wir nach Abschluss eines Levels alle zuvor missglückten Versuche sehen konnten, quasi eine verbildlichte Lernkurve.

Das Wände-Hochhüpfen und Kettensägen-Ausweichen wurde schon in seiner Webversion von Danny Baranowsky musikalisch ausstaffiert. Der Amerikaner dürfte am ehesten für seine Arbeit an The Binding of Isaac und Crypt of the NecroDancer bekannt sein, hat allerdings eine sehenswerte Liste an Kompositionen für kleinere Indie-Projekte vorzuweisen, die ich allesamt nicht kenne. Für Super Meat Boy komponierte Baranowsky einen 34 Tracks umfassenden OST sowie eine Digital Special Edition mit 46 weiteren Stücken.

Der Score

Wer mit seinem Stil vertraut ist, wird schnell Elemente aus anderen Scores wie beispielsweise besagtem The Binding of Isaac wiederfinden. Generell geht das Album in Richtung schneller Electrobeats und treibender Synthies, was aufgrund der Spielidee absolut sinnvoll scheint. Die Musik bleibt für meine Ohren hierbei etwas zu gleichförmig und mit Blick auf den Umfang zu highlightarm. Vergleicht man das Gehörte mit Genreverwandtem wie eben Celeste oder der fantastischen Komposition für The Messenger, fühlt sich Baranowskys Werk etwas belanglos an.

Rock-/Metal-Einflüsse wie in Hot Damned (Ch 4 Light World), Meat Golem (Ch 4 Boss) oder End Credits bringen zwar etwas Abwechslung in den Electroparty, zum Hit wird das Album trotz des charmanten Retrozaubers (RETRO-Tracks) für mich allerdings nicht. Auch die zusätzlichen Lieder aus der Digital Special Edition steuern neben ein paar Remixen anderer Künstlerinnen kaum Nennenswertes bei. Trotzdem zeigen diese kleinen Ergänzungen, dass es auch seine Vorteile hat, wenn mehrere Künstlerinnen an einem Score arbeiten: weniger Kohärenz, dafür etwas mehr Abwechslung. Dass das funktioniert, hat schon das anarchische Castle Crashers gezeigt, das seinen Ursprung ebenfalls auf Newgrounds hat.

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Das soll indes nicht heißen, dass es nicht doch ein paar kleinere Perlen wie das sehr dramatische It Ends (Ch 5 Light World) gibt. Dessen Kombination aus Trommeln, E-Gitarren und Piano-Intermezzo weckt Erinnerungen an den Over-the-Top-Pathos von Broforce und funktioniert aufgrund seiner Struktur für mich besser als der restliche Score, da es weniger in die gewohnte Gleichförmigkeit-zwecks-Loopbarkeit-Richtung geht. Es bleibt damit leider der einzige Track mit voller Punktzahl für mich.

Super Meat Boy [5th Anniversary] (2015)

von Jon Evans, Laura Shigihara, Matthias Bossi, Ridiculon

5th Anniversary ActionBit-MusikElectroMetalRockSynthies

Wertung: 3,0/5 Ø Tracks: 3,2/5 Zur Playlist

43 Tracks · 1:45:35
01 Bologna Pogna (Title Intro) 2,0 1:23
02 Coming to a Deli Near You (Title Screen) 3,0 1:27
03 SMB World Loop 3,0 0:27
04 GristleToe (Light) 3,0 1:00
05 GristleToe (Dark) 3,0 1:00
06 Jam Banjovi (Forest Light) 4,0 3:47
07 Dark Meat (Forest Dark) 3,0 3:54
08 Meat Rainbow - Get on the Dancefloor (Forest Retro) 3,0 1:54
09 Throw Another Banjo on the Fire (Forest Boss) 4,0 3:44
10 Amputation (Hospital Menu Light) 3,0 1:41
11 Overdose (Hospital Menu Dark) 2,0 1:41
12 Bedside Manner (Hospital Light) 3,0 3:15
13 Lights Out (Hospital Dark) 3,0 3:40
14 Doctor's Orders (Hospital Retro) 3,0 2:25
15 165° (Hospital Boss) 4,0 3:30
16 The Red Sea (Salt Factory Menu Light) 3,0 2:24
17 Dry Rub (Salt Factory Menu Dark) 3,0 2:24
18 Hypertension (Salt Factory Light) 3,0 3:18
19 The Seasoning (Salt Factory Dark) 3,0 3:12
20 White Gold (Salt Factory Retro) 3,0 2:12
21 Dash Assault (Salt Factory Boss) 4,0 3:46
22 Hellway to Hell (Light) 4,0 0:48
23 Hellway to Hell (Dark) 3,0 0:48
24 Secret Santana (Hell Light) 3,0 4:08
25 Hell Toupé (Hell Dark) 4,0 3:42
26 Mintz Meat 3,0 2:00
27 Fasten Your Meatbelts (Hell Boss) 4,0 3:47
28 Meat You in Hell (Light) 3,0 0:59
29 Meat You in Hell (Dark) 3,0 0:59
30 Steak Thru the Heart (Rapture Light) 3,0 4:36
31 Dream Meater (Rapture Dark) 3,0 4:03
32 Meat Me in Compton (Rapture Retro) 3,0 2:19
33 Meat Yer Maker (Rapture Boss) 3,0 3:41
34 Leather Glove - Well Done (End Menu Light/Dark) 4,0 2:09
35 Well Done 3,0 1:01
36 Meat Continuum (End Light) 3,0 4:08
37 Ashes to Ashes (End Dark) 3,0 3:26
38 Meatal Acropolis (End Boss) 4,0 3:31
39 Track Meat (Dark World Escape) 3,0 2:33
40 Cotton Alley Light Menu 3,0 0:13
41 Cotton Alley Dark Menu 3,0 0:13
42 Cotton Candy (Cotton Alley Light) 4,0 2:27
43 Bandage Girl Boogie (Cotton Alley Dark) 3,0 2:00

2015 erschien mit dem 5th Anniversary-Soundtrack ein Album zum fünfjährige Bestehen des Spiels mit 43 weiteren Tracks, die dieses Mal aber nicht von Baranowsky, sondern gleich mehreren Komponistinnen stammen. Dazu zählen das Duo Ridiculon, bestehend aus Matthias Bossi & Jon Evans (The Binding of Isaac), David ‚Scattle‘ Scattliffe (Furi, Hotline Miami: The Takedown) und Laura Shigihara (Plants vs. Zombies*).

Wie schon beim eigentlichen OST ist hier nichts wirklich Bemerkenswertes dabei, die Künstler*innen fügen dem Super Meat Boy-Stil aber noch etwas eigenen Flair bei. Nice to have, für mich aber eher eine Empfehlung für Spiel- und Genrefans.

Fazit

Unterm Strich bleibt ein energetischer, aber etwas zu gleichförmiger Synthie-Ritt, der als funktionaler Begleiter durch den digitalen Fleischwolf zwar überzeugt, ohne dabei jedoch die musikalische Strahlkraft oder Varianz der großen Genre-Konkurrenz zu erreichen.