Die Sims: Hokus Pokus

Spielmusik-Review 02.10.2022 · Mattis

Zauberhafter Rummel

Der Jahrmarkt ist in der Stadt! Doch es ist kein gewöhnlicher Rummel, sondern ein Ort voller magischer und mythischer Wesen sowie Monster. In der letzten Erweiterung Die Sims: Hokus Pokus (bzw. Makin‘ Magic im Original) drehte das Entwicklungsstudio Maxis noch mal richtig an der Content-Schraube und brachte unseren Sims das Zaubern bei. Um selbst Zauberern und Hexen zu werden, mussten wir durch ein schwarzes Loch im Boden (nur echt mit Las-Vegas-ähnlichem Neon-Blinkepfeil) in die Stadt der Magie springen – eine komplett neue Nachbarschaft, in die wir sogar ziehen konnten.

Das bot sich an, denn wenn unsere Sims außerhalb der Magiestadt zauberten, folgte eine Strafe durch den Mysteriösen Mann. Das klingt zwar ein wenig nach dem Zaubereiministerium in Harry Potter, doch meine kindlichen Hogwarts-Fantasien konnte die Erweiterung leider nicht erfüllen. Hier galt das klassische Bild der Magie, mit Cape, Zylinder und schwarz-weißem Zauberstab vom Kostümverleih nebenan.

Immerhin konnten wir, nachdem die Erweiterung Tierisch gut drauf die Haustierhaltung eingeführt hatte, sogar einen eigenen Drachen besitzen! Neben Zaubertrankmischen und magischen Duellen betrat in dieser Erweiterung mit dem Skelett-Hausmädchen zusätzlich eine weitere Ikone der Sims-Geschichte die Bühne. Hokus Pokus war spielerisch ein echtes Highlight und ein mehr als würdiger Abschluss für den Serienbegründer.

Der Score

Aber wie kam ich auf das anfängliche Bild der Kirmes? Anscheinend war der Gedankengang von Jerry Martin bei der Komposition der Musik: Magie – kurios – Jahrmarkt. Wie eine Ansammlung von Wunderlichem laden die 21 Tracks des Albums zum imaginären Schlendern ein – vorbei an den Attraktionen, den Marktschreier*innen und dem Lachen der Besuchenden. Dafür greift Martin auf eine klassische Instrumentierung zurück, die von Oboen (Once a Cemitery, Build 3, Build 4) und dem Akkordeon (Medieval Neighborhood) dominiert wird.

Je nach Kombination ergibt sich eine Vielzahl von herrlich unterschiedlichen Atmosphären – eben wie auf einem Jahrmarkt: Ada-Quaint Place (ein gelungenes Wortspiel), Euro-hood und Buy Mode 1 klingen nach französischer Lebensfreude – schnell und beschwingt. Foggy Shores und Magic Town durch ihr langsames Tempo dagegen eher spooky. Und Nutcase Land komplettiert das Bild mit seiner Drehorgel. Hinzu kommen noch die Tracks für den Kauf- und Baumodus, die zwischen Shanty-Klängen (Buy Mode 2, Buy Mode 3), Melancholie (Build 8) und beschwingtem Tanz (Buy Mode 4, Build 6, Build 9) variieren. Eine abgefahrene Mischung, ganz im Stile eines Rummels, die ihren Abschluss in Credits findet.

Fazit

Mit einem wehmütigen Blick verabschiede ich mich von der Musik zum ersten Die Sims-Teil, die so viel anders war als in den folgenden Ablegern. Jerry Martin und Marc Russo haben einen wunderschönen Soundtrack für meine Kindheit geschrieben, den es heute mit seiner gekonnten Ambivalenz aus Unbeschwertheit, Experimentierfreude und gleichzeitiger Schwermut wohl nicht mehr geben würde. Dieses letzte, magische Kapitel rundet die Zeitreise perfekt ab und sollte zumindest von allen Soundtrack-Enthusiast*innen gehört werden.